Steinitzsteg Umleitung über Floridsdorfer Brücke und neue Radwege
Baustellen sind lästig, aber notwendig – vor allem, wenn es um die Sicherheit geht.
Die in Zuständigkeit der ASFINAG liegende Nordbrücke ist als Autobahn mit 110.000 PKW pro Tag eine der am stärksten befahrenen Donauquerungen Wiens. Sie wurde Anfang der 1960er Jahre errichtet und muss nun im Sinne der Verkehrssicherheit generalsaniert werden. Die letzte Instandsetzung ist über 30 Jahre her. Damals wurde der parallel führende Steinitzsteg als Ausweichroute für den KFZ-Verkehr errichtet und danach vereinbarungsgemäß an die Stadt Wien zur Nutzung für den Rad- und Fußverkehr übergeben. Auflage war, den Steinitzsteg im Bedarfsfall von notwendigsten Sanierungen der Nordbrücke wieder der ASFINAG zur Verfügung zu stellen. Das wird nun ab 2028 notwendig.
Die Stadt Wien und die ASFINAG haben in intensiven Gesprächen und Planungen gemeinsam eine Ersatzradverbindung über die Floridsdorfer Brücke konzipiert. Dafür werden ab 2027 zwei neue, baulich getrennte Radwege auf der Adalbert-Stifter-Straße im 20. Bezirk und auf der Floridsdorfer Hauptstraße im 21. Bezirk errichtet. Beide Radwege werden ans bestehende Radwegenetz angebunden. So entsteht eine Aufwertung der Route über die Floridsdorfer Brücke. Diese stellt somit auch über die Zeit der Sanierung hinaus eine attraktive Verbindung zwischen den Bezirken dar.
Komfortable neue Radwegverbindung zwischen 20. und 21. Bezirk
Für die neue Radverbindung wird im 20. Bezirk auf der Adalbert-Stifter-Straße ein neuer, baulich getrennter Zwei-Richtungs-Radweg errichtet. Dieser verbindet den bestehenden Radweg auf der Floridsdorfer Brücke mit dem 2023 erbauten, komfortablen Zwei-Richtungs-Radweg entlang von Lorenz-Müller-Gasse und Heiligenstädter Brücke. Von dort geht es entweder weiter in Richtung 19. Bezirk über den neuen Radweg in der Gunoldstraße oder über die neuen, breiten Radfahrrampen von der Heiligenstädter Brücke hinunter zum Donaukanalradweg.
Auf der Seite des 21. Bezirks wird die Radroute über einen neuen, baulich getrennten Zwei-Richtungs-Radweg auf der Floridsdorfer Hauptstraße bis zu Jedleseer Straße führen. Dieser wird dort an die neu errichteten Radwege auf der Floridsdorfer Hauptstraße anschließen. Ab dort geht es weiter zum neuen Radweg auf der Prager Straße und dem kurz vor Baustart befindlichen Radweg auf der Brünner Straße. Dieses Projekt verbindet wiederum mehrere Radwege der Radwegoffensive der vergangenen Jahre in Floridsdorf miteinander, etwa Angerer Straße, Leopoldauer Straße und Prager Straße. Insgesamt entsteht mit den neuen Radwegen eine baulich getrennte, sichere und komfortable Radwegverbindung zwischen 20. und 21. Bezirk bzw. vom Donaukanal bis auf die Donauinsel bis in das Zentrum von Floridsdorf und darüber hinaus. Nach Abschluss der Sanierung im Jahr 2031 ist der Steinitzsteg wieder als Geh- und Radweg benützbar.

Radweg-Projekte in Floridsdorf der letzten Radwegoffensiven (hier noch exklusive des kommenden Abschnitts auf der Floridsdorfer Hauptstraße)
Floridsdorfer Brücke stellt beste Alternative dar
Die Stadt Wien und die ASFINAG haben im Vorfeld sämtliche Alternativen eingehend geprüft. Die beste Lösung für eine Alternativroute führt Radler:innen künftig über die Floridsdorfer Brücke – alle anderen Varianten bringen keine Vorteile oder sind schlicht nicht finanzierbar. Ein weiterer Brückenneubau wäre aufgrund dieser zahlreichen zu querenden Hindernisse hoch komplex und würde 70 bis 90 Mio. Euro kosten. Das ist in Zeiten akuten Spardrucks nicht umsetzbar. Eine Pontonbrücke stellt ebenfalls keine praktikable Lösung dar, da diese wegen des Donauschiffsverkehres nur über die Neue Donau führen könnte. Und selbst wenn man den Hauptstrom z. B. mit einer Fähre überwindet, würden Lärmschutzwand, Gleise und Autobahnrampen unüberwindliche Barrien darstellen, die umfahren werden müssten. Eine Fähre ist zudem mit langen Wartezeiten verbunden, mit der geplante Alternativroute über die Floridsdorfer Brücke ist man deutlich schneller am Ziel.
Ein Offenhalten des Steinitzstegs für Radler:innen während der Sanierung ist keine Option: Eine KFZ-Verkehrsführung ohne Nutzung des Steinitzstegs würde zu einem dramatischen Rückstau und einer umfassenden Verdrängung des Autoverkehrs auf die umliegenden Bezirke führen. Das betrifft dann massiv die Öffis: Straßenbahnen und Busse würden ausgebremst – ein No-Go für die Stadt Wien. Und auch die Idee, den Steinitzsteg nur mit einer KFZ-Fahrspur und einem Fahrstreifen für den Rad- und Fußverkehr zu nutzen, ist keine Alternative: Rad- und Fußverkehr müssten aus Sicherheitsgründen durch Betonleitwände vom KFZ-Verkehr getrennt werden, die Bildung einer Rettungsgasse wäre im Notfall unmöglich. Außerdem wäre auch hier der Rückstau und die Verdrängung des Autoverkehrs in die Bezirke massiv, inklusive Behinderung des öffentlichen Verkehrs.
Zusätzliche Fahrzeit beträgt im Durchschnitt 2,5 Minuten
Wie bei baustellenbedingten Umleitungen üblich, kann eine etwas längere Fahrzeit nicht gänzlich vermieden werden. Die Alternativroute ist so ausgelegt, dass der Umweg so kurz wie möglich gehalten wird und gleichzeitig Leistungsfähigkeit und Sicherheit gewährleistet sind. Die zusätzliche Fahrzeit für Radfahrende bewegt sich – je nach Start- und Zielort – zwischen 0 und 8 Minuten. Dazu fünf Beispiele gemessen anhand des VOR-Radroutenplaners:
1. Beispiel: Von der Prager Straße zur Heiligenstädter Brücke
- Über Steinitzsteg: 3.6 km, 16 Minuten
- Über Floridsdorfer Brücke und Adalbert-Stifter-Straße: 3.9 km, 17 Minuten
2. Beispiel: Vom Nußdorfer Markt zum Schulschiff
- Über Steinitzsteg: 3 km, 13 Minuten Fahrzeit
- Über Floridsdorfer Brücke: 2.9 km, 13 Minuten
3. Beispiel: Von der Skatehalle Floridsdorf zur Friedensbrücke
- Über Steinitzsteg: 8.5 km, 35 Minuten
- Über Floridsdorfer Brücke: 9.2 km, 38 Minuten
4. Beispiel: Von der Krottenbachstraße 30 zur Klinik Floridsdorf
- Über Steinitzsteg: 7,1 km, 30 Minuten
- Über Floridsdorfer Brücke und neuen Radweg Brünner Straße: 7 km, 30 Minuten
5. Beispiel: Von Nußdorf zum Friedhof Jedlesee
- Über Steinitzsteg: 5 km, 21 Minuten
- Über Floridsdorfer Brücke: 6.3 km, 27 Minuten
Nordbrücke bleibt während der Sanierung befahrbar
Das hohe Verkehrsaufkommen und die Konstruktion der Nordbrücke erfordern es, während der Sanierung die zwei Fahrspuren Richtung Floridsdorf von der Nordbrücke auf den Steinitzsteg zu verlegen. Die beiden Fahrspuren der Richtungsfahrbahn Brigittenau auf der Nordbrücke werden in der Bauphase 1 (2028 – 2029) auf die Gegenfahrbahn verlegt. In der Bauphase 2 (2030 – 2031) werden die beiden Fahrspuren der Richtungsfahrbahn Brigittenau wieder wie im Bestand auf den dann bereits sanierten Brückenteil der Nordbrücke gelegt, dann wird auf der zweite Brückenhälfte gearbeitet.
Komplexe Sanierung von 2028 bis 2031
Die Sanierung der Nordbrücke ist ein komplexes Vorhaben. Die Nordbrücke ist eine Stahlverbundbrücke. Diese Brücken haben als Tragkonstruktion Stahlträger und Stahlverstrebungen. Die Stahlhauptträger der Brücken müssen nun verstärkt werden. Die bestehenden Stahlteile haben zudem eine veraltete Beschichtung. Diese Beschichtung wird entfernt und durch neue und bessere, dem Stand der Technik entsprechende, ersetzt. Auf der Brückenoberseite werden die Abdichtung und der Asphalt sowie die Randbalken, die gesamte Brückenausrüstung (Fahrzeugrückhaltesysteme, Geländer und Brückenentwässerung) und die Straßenbeleuchtung und die Beschilderungen erneuert. Bei der Sanierung werden auch die direkt anschließenden Rampen bearbeitet. Dabei werden schadhafte Betonstellen an den Pfeilern und Widerlagern instandgesetzt, die Brückenlager werden teilweise getauscht bzw. saniert und die Fahrbahnübergänge getauscht.