Der erste Wiener oBike-Test

Seit gestern kann man sie auch in Wien ausborgen: Die ersten Leihräder aus Fernost. Im August diesen Jahres starten mit ofo und oBike, zwei neue Leihrad-Anbieter in Wien (wir haben berichet). oBike hat  seine ersten Räder nun rund um den Wiener Hauptbahnhof platziert. Wir haben einen ersten Test gewagt und uns eines der knallig orangen Räder ausgeliehen.

Wie funktioniert der Verleih?

Entliehen werden die Räder mittels oBike App, die für iOS und Android kostenlos herunter geladen werden kann. Nach der Installation können freie Räder in einer Karte gesucht werden. Will man eines davon ausborgen, muss eine kurze Registrierung durchgeführt werden. Dies kann mittels Facebook Account oder Email durchgeführt werden. Weiters muss als Zahlungsmittel eine Kreditkarte hinterlegt werden. Die Kosten für den Service werden künftig von dieser Karte abgebucht.

Außerdem muss vor dem Start eine Kaution in Höhe von 79 Euro hinterlegt werden. Dies passiert mittels einer Blockierung auf der angegebenen Kreditkarte. Es handelt sich dabei um keine Abbuchung, sondern um eine Art Zahlungsgarantie. Die Kaution kann jederzeit per Knopfdruck zurückgefordert werden. Ab der dritten Rückforderung fällt dabei eine Gebühr von 4 % des Betrags an.

Ist das Anmelden erledigt erhält man als neuer User 3 Euro Guthaben und 100 Punkte. Diese Punkte entscheiden künftig darüber, welchen Tarif man bei der Benutzung zu zahlen hat. Für positive Handlungen (korrektes Parken, melden von Schäden etc.) gibt es Pluspunkte und für negative Handlungen (falsches Parken, Schäden) Minuspunkte. Hat man 80 oder weniger Punkte, steigen die Entlehnkosten rapide an. So versucht oBike die Einhaltung der Regeln sicherzustellen.

Zur Zeit sind Fahrten in Wien noch kostenlos, damit die Räder getestet werden können. Ab dem 21. August fällt standardmäßig 1 Euro pro begonnener halber Stunde an. Zum Vergleich: Bei Citybike Wien ist die erste Stunde Fahrt gratis, für die zweite Stunde zahlt man dann 1 Euro. Tarife Citybike Wien

Nach den Formalitäten, die innerhalb weniger Minuten (ähnlich wie von Netflix, Spotify etc. gewöhnt) erledigt sind, können Räder dann für 10 Minuten reserviert werden, um sicher zu gehen, dass sie auf dem Weg zum gewünschten Rad niemand anderes leihen kann.

 

Die Fahrt geht los

Freie Räder können jederzeit entsperrt werden. Dies funktioniert mit der Smartphone-Kamera, mit der ein QR-Code gescannt werden muss. Dieser ist am Kotflügel und am Lenker des Fahrrads zu finden. Kurz darauf  entriegelt sich das Bluetooth Rahmenschloss am Hinterreifen des Fahrrads. Im Test funktionierte dies bei zehn Versuchen jedes Mal problemlos.

Allerdings: Das reservierte Fahrrad befand sich nicht an der erhofften bzw. in der Karte angegebenen Stelle. Wir haben dann einfach ein anderes, wenige Meter weiter gewählt. Dann konnte die Fahrt losgehen.

Fahrradausstattung

Der Sattel ist höhenverstellbar, der Rahmen ist allerdings relativ klein. Für Personen über 1,85 Meter Größe dürfte eine Fahrt daher wenig komfortabel sein. Das Fahrrad ist nur mit einem Gang ausstattet, dieser ist allerdings relativ gut für städtische Anforderungen konfiguriert. Mehr Gänge wären für mehr Fahrkomfort jedoch wünschenswert. Insgesamt fährt sich das Rad relativ gut, kann aber mit einem 0815-Stadtfahrrad bei Weitem nicht mithalten. Ausgelegt ist das System aber ohnehin nur für kürzere Fahrten innerhalb des Stadtgebiets.

Weiters verfügt das Rad über zwei Bandbremsen und keine Rücktrittbremse. Die Reifen bestehen aus einer Art Gummi-Membran, sind also nicht mit Luft gefüllt. Zwei rudimentäre Kunststoff-Kotschützer sollen außerdem Spritzwasserschutz bieten. Im Test waren diese allerdings einerseits äußerst schlecht montiert (siehe Bild) und andererseits neigen sie bei unebener Fahrbahn zum Federn. Das Rad hat ein Vorder- und ein Rücklicht, welche mittels Nabendynamo angetrieben werden.

Was an der Ausstattung des Fahrrads positiv auffällt, sind das verhältnismäßig leichte Gewicht (15 Kilogramm), ein solider Fahrradkorb und ein Lenkeinschlag-Schutz, der das Rad vor dem Umkippen im Stand schützen soll. Das Schloss wird mittels Solarenergie versorgt.

 

Fahrrad abstellen und zurück geben

Zurück gegeben kann das Fahrrad dann an jedem beliebigen Ort innerhalb eines definierten Testgebietes. Dieses erstreckt sich zur Zeit rund um die Innenstadt. Im Süden bis knapp außerhalb des Hauptbahnhofs, im Norden bis zur Spittelau, im Westen bis knapp außerhalb des Gürtels und im Osten bis zur Donau. Mit Erweiterung des Systems in Wien, sollen die Leihräder zukünftig in der ganzen Stadt ausgeliehen und zurück gegeben werden können.

Die App gibt einfache Tipps wo das Fahrrad abgestellt werden kann. Direkt an einen Radbügel muss es nicht befestigt werden, da das Absperren mittels Rahmenschloss funktioniert. Die Räder – so wie alle Fahrräder – dürfen auch in der Parkspur abgestellt werden. Beim Abstellen am Gehsteig (sofern dieser breiter als 2,5 Meter ist) ist zu beachten, das Fahrrad so hinzustellen, dass niemand am bequemen Vorbeigehen gehindert wird. Abstellen von Fahrrädern

Die Rückgabe selbst funktioniert mittels Hinunterdrücken des Rahmenschlosses. Ein kurzer Ton ertönt am Schloss selbst und auch in der App. Das Fahrrad kann dann einfach zurück gelassen werden. Bei der Fahrt zeichnet die App dann Strecke, Zeit und verbrannte Kalorien auf. Eine Statistik zur Fahrt wird in der App angezeigt. Sollte es eine Beanstandung, Probleme oder generelles Feedback zum Fahrrad und zur Fahrt geben, kann dies direkt in der App mittels Chat-Nachricht rückgemeldet werden.

Das Fazit

OBike erweist sich auf den ersten Blick als relativ simples Leihradsystem mit gut durchdachter App. Ausleihen ist allerdings auch nur möglich, wenn man ein Smartphone und eine Kreditkarte besitzt und die App nutzen kann. Das Fahrrad selbst eignet sich allerdings nur für kürzere Strecken. Bei längeren Strecken sorgen die fehlenden Gänge für wenig Freude.

Ob ein solches System in Wien Potential hat und welche Auswirkungen die Einführung eines weiteren Systems (Ofo) in Wien hat, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Nur dann, wenn die Räder sinnvoll über die Stadt verteilt sind gut gewartet werden, werden sie wohl auch von den Wienerinnen und Wienern genutzt werden. Hier dürfte vor allem entscheidend sein, welchen Service die Unternehmen vor Ort anbietet, um defekte Räder zu reparieren und die gleichmäßige Verteilung innerhalb der Stadt zu garantieren. Gespannt darf man auch sein, mit Diebstahl und Sachbeschädigung umgegangen wird und wie das Abstellen der Räder im öffentlichen Raum funktioniert. Wir werden sehen!

2 Kommentare

Inke Cordes sagte am 10.09.2017, 08:29:
Es kann jawohl nicht angehen, dass die obike Räder in den öffentlichen Fahrradständern abgestellt. Sie blockieren die Plätze für private Räder. Die Cityräder haben eigene Stellflächen, Carsharing müssen eigene Flächen anmieten oder Pickerl haben. Ein Privatunternehmen in den Stellplätzen für unsere Räder, das geht gar nicht. Sollen sie sich gefälligst Flächen von der Stadt anmieten. Ich fahre jetzt seit 10 Jahren Rad in Wien. Seit einigen Tagen sind immer wieder Stellplätze von obikes belegt.
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Klaudia Kampusch sagte am 12.09.2017, 13:29:
Ich bin auch begeisterte Radlerin (fast täglich in Wien) und freue mich über diese zusätzliche Möglikeit. Ich finde das viele Radabstellpätze sowieso leer stehen und das oBike benötigt ja keinen Abstellplatz (wie im Artikel beschrieben), man könnte es also auch ein Stück wegstellen, sollte es stören. Ich begrüße das Projekt als neuen Anreiz für mehr Menschen mal ein Stück mit dem Rad zu fahren. Mir ist auch aufgefallen, dass offensichtlich schnell noch viele Radleichen entfernt wurden - auch ein Plus! Es hängt sicherlich davon ab, wie gut das Projekt betreut wird - wir werden sehen.
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