Ein Service der Stadt Wien

Martin Blum

Erobern Lastenräder Wien?

Was in Amsterdam und Kopenhagen zum Stadtbild gehört, beginnt sich langsam in Wien durchzusetzen. Immer mehr Lastenräder fahren durch Wien.

Seit ein, zwei Jahren sind immer öfter Lastenfahrräder auf der Straße zu sehen. Die praktischen Fahrzeuge werden benutzt um Kinder zu transportieren, Lasten zu befördern und immer öfter auch gewerblich eingesetzt. Begonnen hat es in Wien mit dem Unternehmen Heavy Pedals im Jahr 2010. Davor waren gängige Lastenräder in Österreich nur schwer erhältlich oder man musste sie selbst direkt importieren. Seitdem geht es rasant bergauf und es gibt bereits mehrere Dutzend Bakfiets, Christiania-Fahrräder , Niholas, Bullitts und wie sie alle heißen.

Lastenräder im Augarten

Lastenrad , das neue SUV für Familien

Viele Familien kennen die Situation, dass es mühsam werden kann, mit Kinderwagen und ein, zwei weiteren Kindern zu Fuß die Alltagswege in Kombination mit den Öffis  zurückzulegen. Schon mittlere Einkäufe werden zur Hürde und mehrmaliges Umsteigen lässt so manchen Elternteil stöhnen. In diesen Fällen erhöhen Lastenräder die Reichweite und Unabhängigkeit. Raufsetzen, Kinder reinsetzen, losfahren, ankommen, viel einfacher geht es nicht mehr. Einmal probiert weiß man warum es in Kopenhagen rund 35.000 Lastenräder gibt. Sogar Halterungen für Babyschalen in Lastenrädern sind erhältlich.

EU setzt auf Lastenräder

Das EU-Projekt Cycle-Logistics zählt auf, dass zirka 25 Prozent der Fahrten beim städtischen Gütertransport durch Lastenräder ersetzt werden könnte. Das erscheint mehr als plausibel, wenn wir uns allein die Anzahl an Paket- und Botendiensten vorstellen, die täglich durch Wien fahren. Der Effekt dieser Verlagerung wäre überaus positiv: weniger Verkehr, weniger Abgase, weniger Lärm, mehr Platz. Auch hier war das Unternehmen Heavy Pedals, im Jahr 2012 in Wien Pionier. Es betreibt nach wie vor den einzigen reinen Lastenradbotendienst in Wien. International ist das ähnlich. Paketdienstleister wie DHL oder DPD setzen auch bereits Lastenräder ein. Und ausgerechnet das Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Deutschland führt ein Pilotprojekt zu Gütertransport mit Elektrolastenrädern durch. Das Einsparungspotenzial an Kurierfahrten mit dem Auto wird mit 85 Prozent angegeben.

Wiener Unternehmer denken um

Was wenige wissen: in Wien gibt es  seit einigen Jahren Betriebe, die voll aufs Fahrrad setzen. Die Bäckerei Kornradl liefert das Gebäck mit einem Lastenanhänger aus.  Fahrradfensterputzer Pascal Kellermayer wurde bereits mit dem Umweltpreis der Stadt Wien ausgezeichnet und transportiert von der Leiter bis zu den Reinigungsmitteln alles mit dem Fahrrad. Die Wiener Kafferösterei Kaffeefabrik beliefert Kunden mit dem firmeneigenen Lastenfahrrad.  Mit Paris Maderna gibt es in Wien sogar einen Lastenradhersteller.

Kaffeefabrik

Noch ist der Trend zum Lastenrad in Wien ein zartes Pflänzchen. Wenn ich in Wien mit meinem Lastenrad unterwegs bin ist die Resonanz aber riesengroß – Ein gutes Zeichen.

Übrigens: Fahrrad Wien macht Rückenwind fürs Lastenfahrrad. Im FahrRADhaus on Tour wird es an 15 Standorten in Wien Lastenräder zum Probefahren geben.

15 Gedanken zu “Erobern Lastenräder Wien?

    • Ja leider kann man Lastenräder nicht so einfach in den Keller tragen. Und immer draußen stehen lassen ist auch doof. Deswegen sollte es mehr ebenerdige Radräume geben, wo die Tür auch so briet ist, dass man mit dem Lastendreirad durch passt.

      • Habt ihr Erfahrungen, ob man mit einem Bakfiets durch eine “normale” Fahrradraumtüre (ca 90cm breit) in der Praxis daurchpasst, ob sich das mit dem Aufhalten der Türe auch bei normalem Körperbau machen lässt?

  1. Pingback: 17.04.2013 – fahrradwien.at: Erobern Lastenräder Wien? | Heavy Pedals

  2. toll, bald auch am radweg kein platz mehr dank solcher perversionen und einen unfall mit so einem monstrum und einem kind möchte ich auch nicht erleben, fahren mitunter wie die irren.

    • ja, “Irre” gibt es überall. Bei sich zuhause wären mir diese natürlich am liebsten, auf der Straße auch lieber als Fußgänger als auf einem Lastenrad lenkend. Schlimmer wird’s aber, wenn das Fahrzeug ohne sich anstrengen zu müssen 200 Sachen geht und >2 Tonnen wiegt,…

    • Bevor es in Wien zu einem Unfall zwischen einem Lastenrad und einem Kind kommt, wurden schon wieder hunderte Kinder von Autos angefahren. Aber darüber regt sich eh niemand mehr auf und 30 fahren in der 30er Zone ist eh nur für LuLus…

  3. So richtig vermehren werden sich die Lastenräderin Wien erst, wenn es auch hier 3m Breite Radwege (pro Richtung) gibt wie in Kopenhagen und die Verpollerung der Radwege aufhört. Mit den Christaniabikes steht man bis jetzt noch öfters an oder kommt nur schwer um die engen Kurven. Eigentlich kann man damit nur auf der Straße fahren, was aber nicht jeder will…

  4. Bei all den Initiativen wäre es jetzt aber auch angebracht, dass der Gesetzgeber den Transport von 2 Kindern auf einem Fahrrad (vor dem Fahrer, also Bakfiets usw.) in der STVO berücksichtigt.

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  8. Das wirkliche und größte Problem ist, dass man Lastenräder nur am Parkplatz abstellen kann. Den Wohnungsvermietern ist das ziemlich egal, ob und wo man das Rad unterstellt. Deshalb haben wir aufgehört damit und sind aufs Land gezogen.

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