Reger Radverkehr an einem sonnigen Morgen in Wien.

Das bringt das neue Mobilitätskonzept fürs Radfahren in Wien

Der Wiener Gemeinderat hat das Fachkonzept Mobilität beschlossen und setzt damit auf den schrittweisen Wandel der Mobilität in Wien. Radverkehr nimmt dabei eine wichtige Rolle ein.

Die Herausforderung ist klar: Es gilt die Verkehrsströme in einer Zwei-Millionen-Stadt, die Wien im Jahr 2025 beinahe sein wird, zu gestalten. Die Lebensqualität soll weiterhin erstklassig bleiben und die Umweltbelastung durch den Verkehr so gering wie möglich sein. Deswegen wurde das Ziel gesetzt, dass 80 Prozent der Wege der Wienerinnen und Wiener im Jahr 2025  im Öffentlichen Verkehr, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt werden sollen. Im Jahr 2013 lag dieser Anteil bei 73 Prozent.

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Radfahren und Öffis werden beliebter

Die Ausgangsbedingungen zur Erreichung des Ziels sind gut. Öffentlicher Verkehr und Radverkehr haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Der Mobilitätswandel in Städten ist in vollem Gange. Vor allem bei den Jüngeren hat Automobilität stark an Bedeutung verloren. Vom Jahr 2012 auf das Jahr 2013 ist die Anzahl der 18-Jährigen Führerscheinneulinge in Wien um 15 Prozent zurückgegangen.

Gesunde Mobilität ist ein wichtiges Ziel

Konkret werden im Fachkonzept Mobilität Ziele für eine Mobilität, die der Gesundheit der Wienerinnen und Wiener förderlich ist, für eine robuste Stadt sowie für ein effizientes und ökologisches Verkehrsangebot festgelegt. Straßenräume werden von Transiträumen zu Aufenthaltsräumen. Zufußgehen und Radfahren sind neben dem Öffentlichen Verkehr zentrale Ansatzpunkte. Einige Maßnahmen sind sehr konkret festgelegt, andere eher vage und in Form von Absichtserklärungen. Die politische Zuständigkeit liegt in Wien schließlich in vielen Bereichen auf Bezirksebene oder beim stadtgrenzüberschreitenden Verkehr auch außerhalb Wiens.

Straßenumbauten lassen sich an den Zielen des Konzepts messen

Das Fachkonzept Mobilität ist ein bedeutender Schritt für ein nachhaltiges Verkehrssystem. Künftig werden Straßenumbauten daran gemessen, ob sie den Zielsetzungen des Fachkonzepts entsprechen. Es ist Strategie, Konzept und Leitfaden für die Dienststellen der Stadt und für weitere Maßnahmen der Politik. Die festgelegten Zielsetzungen können zudem regelmäßig überprüft werden.

Wichtige Maßnahmen für den Radverkehr geplant

Rad-Langstrecken

Zur Förderung des Fahrradverkehrs über lange Distanzen und damit auch für den Verkehr der Pendlerinnen und Pendler werden stadtquerende Rad-Langstrecken etabliert, die Teil des Wiener Hauptradverkehrsnetzes sind. Bis zum Jahr 2018 wird die Route Süd als erste in der angestrebten Qualität nutzbar sein (Karlsplatz – Hauptbahnhof – Favoritenstraße – Anschluss Leopoldsdorf). Bis zum Jahr 2025 werden weitere Routen umgesetzt.

Begegnungszonen

Die Zahl der Begegnungszonen wird in Wien deutlich erhöht. Sie spiegeln die Idee einer neuen Mobilitätskutur im Öffentlichen Raum wider. Begegnungszonen sind Orte, wo die Fahrbahn allen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern zur Verfügung steht und gegenseitige Rücksichtnahme in den Vordergrund gestellt wird.

Zwei junge Frauen auf Citybike

City-Bike und Fahrradverfügbarkeit

Bis zum Jahr 2025 wird die Verfügbarkeit von Fahrrädern deutlich verbessert. Eine Zielsetzung ist, dass in 80 Prozent der Haushalte ein Fahrrad verfügbar sein wird. 40 Prozent der Bevölkerung kann eine Leihradstation in maximal 300 Metern Entfernung erreichen.

Abstellanlagen

Ein wesentlicher Punkt im Fachkonzept Mobilität ist der Ausbau der Fahrradabstellanlagen. Sie werden in den kommenden Jahren vermehrt in der Parkspur errichtet, um den Fußverkehr nicht zu behindern. Angedacht sind auch versperrbare, witterungsbeständige Abstellanlagen für Radfahrende. Insbesondere werden die Abstellanlagen größzügiger errichtet, um den Platzansprüchen von Lastenrädern gerecht zu werden.

Radfahren gegen die Einbahn

Im Jahr 2025 wird in Wien überall dort ein Großteil der Einbahnen für den Radverkehr geöffnet sein, wo das die Bedingungen zulassen. Radfahren gegen die Einbahn ist eine bedeutende Maßnahme für den Radverkehr in der Stadt der kurzen Wege.

Lastenräder im Augarten

Lastenräder

Wirtschaftstreibenden sollen Lastenräder für den Wirtschaftsverkehr schmackhaft gemacht werden. Die Stadt Wien schafft selbst 20 Lastenräder an. Lastenräder werden auch in das Leihradsystem integriert. Der mögliche Einsatz von Lastenrädern wird auch bei der Weiterentwicklung von technischen Normen betreffend Radverkehr berücksichtigt oder durch Expertinnen und Experten der Stadt Wien eingebracht.

Aktive Mobilität der jungen Menschen

Besonderes Augenmerk wird künftig auf die Verkehrsberuhigung rund um Schulen gelegt. Die Bedingungen für Kinder im Verkehr sollen verbessert werden. Zudem werden temporäre Sperren von Straßen für Zufußgehen und Radfahren an Wochenenden erleichtert. Maßnahmen für Mobilitätsmanagement und Bewusstseinsbildung werden ausgebaut.

9 Kommentare

heinzi123 sagte am 20.12.2014, 10:49:
Ja, man kann sich jede Situation schönreden. Zitat:"Vor allem bei den Jüngeren hat Automobilität stark an Bedeutung verloren. Vom Jahr 2012 auf das Jahr 2013 ist die Anzahl der 18-Jährigen Führerscheinneulinge in Wien um 15 Prozent zurückgegangen." So wurde hier jener Jahrgang herausgegriffen, welche die Situation am besten für den eigenen Standpunkt aussehen lässt. Außerdem ist dies eine für eine gehaltvolle Aussage unzulässige Probennahme. Man nimmt sich eine winzige Momentaufnahme heraus und möchte daraus gleich eine Tendenz herauslesen. Das wäre so als würde ich mir einen wunderschönen, sonnigen Sommer-Sonntag im Jahre 2012 heraussuchen und einen regnerischen, kalten Winter-Mittwoch im Jahre 2013. Oh, da sind ja wohl die Radfahrerzahlen gefallen zwischen den beiden Tagen, nun könnte man natürlich den ahnungslosen Leser die Situation genau erklären oder sich die Situation so darstellen wie es einem gut-düngt. Ich setze Ihre Zahlen mal in einen Kontext. Ich berechne den Anteil der Wiener Führerscheinneulinge an den Führerscheinneulinge von ganz Österreich jeweils für 2012 und 2012. Wenn ich mir die Differenz ausrechne finde ich heraus das diese nur sehr gering ist. Möchte man sich wirklich mit einem Rückgang von 0,00553 rühmen? MfG
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heinzi123 sagte am 20.12.2014, 10:53:
Ergänzung: Quelle (Statistiken): Statistik Austria PS: Welche haben Sie?
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Kurt Enenkel sagte am 20.12.2014, 11:15:
Ist irgendjemand für die Umsetzung verantwortlich? Oder handelt es sich, genau so wie bei Masterplan Verkehr, KLIP, STEPxx um eine unverbindliche Empfehlung, an die sich niemand zu halten braucht, die denen, die die Kompetenz zur Umsetzung haben, beispielsweise den Bezirkspolitikern, also auch den Fraktionskollegen derer, die sie im Gemeinderat beschlossen haben, am *rsch vorbei geht?
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Kurt Enenkel sagte am 20.12.2014, 11:28:
Siehe auch: https://www.fahrradwien.at/blog/2013/05/22/wiener-gemeinderat-trifft-grundsatzbeschluss-fur-steigenden-radverkehr/
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Daniel Pernold sagte am 20.12.2014, 11:35:
«Künftig werden Straßenumbauten daran gemessen, ob sie den Zielsetzungen des Fachkonzepts entsprechen.» Welche Ziele sind das konkret? «Ein wesentlicher Punkt im Fachkonzept Mobilität ist der Ausbau der Fahrradabstellanlagen. Sie werden in den kommenden Jahren vermehrt in der Parkspur errichtet, um den Fußverkehr nicht zu behindern.» Wie verhindert man die Vereinnahmung der Mopeds und Motorräder, wenn die Bügel nun auf der Straße platziert sind? Wäre es nicht sinnvoll hier klare Gesetze zu schaffen oder Orwascheln anzudenken? «Besonderes Augenmerk wird künftig auf die Verkehrsberuhigung rund um Schulen gelegt. Die Bedingungen für Kinder im Verkehr sollen verbessert werden.» Hört hört. Ich erwarte mir auch vor der Schule Heustadelgasse ein temporäres Fahrverbot für PKW und LKW, damit Bus und Rad die Kinder sicher zur Schule bringen können.
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Kurt Enenkel sagte am 20.12.2014, 11:56:
Mal sehen, wie das die SPÖ - Bezirksräte lesen: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20141219_OTS0131/wr-gemeinderat-sp-lindenmayrblumakubik-alle-verkehrsarten-werden-bevorzugt
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ich sagte am 20.12.2014, 18:24:
Ein Gedanke
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Fabi Kurtmann sagte am 22.12.2014, 17:44:
ein positiver artikel ! mehr räder, weniger autos für wien ! auch das konzepts geteilter Strassen für alle Verkehrsteilnehmer find ich großartig. Im Ausland nennt es sich ''Shared Space'' : http://smart-magazine.com/space/interview-ben-hamilton-baillie/ was haltet ihr davon ?
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Velo-city-Konferenz: Radverkehr für Städte so aktuell wie nie zuvor | Fahrrad Wien sagte am 11.06.2015, 11:43:
[…] auch die Stadt Wien in der im Dezember erfolgten Festschreibung der Lastenrad-Förderung im Fachkonzept Mobilität. In Wien ist jetzt nach dem ersten Aufschwung des Lastenrades wohl die richtige Zeit gekommen um […]
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