Von Rädern und Rollen. Pia fährt

Für Schauspielerin Pia Hierzegger ist Radfahren einfach bequem. Und außerdem sei es „die schönste und schnellste Art sich fortzubewegen.“ Da macht es auch nichts, dass sie zu unserem Termin auf ein Klapprad umsteigen musste.
Pia Hierzegger kommt mit dem Klapprad. „Das fährt sich überraschend gut“, erklärt sie sogleich. Offenbar konnte man in unseren Gesichtern leichte Verwunderung erkennen, schließlich wollte sie eigentlich mit ihrem eigenen Rad kommen, mit dem sie auch im Kinofilm „Wilde Maus“ unterwegs ist. Doch das hatte einen Defekt, Ersatz musste her. Und egal ob Klapprad oder eigenes Rad: „Ich habe zwar zugegeben Respekt vor dem Autoverkehr, aber dennoch ist das Rad für mich die schönste und schnellste Art um von A nach B zu gelangen.“

Darüber hinaus hat Radfahren hat für Pia im Alltag auch mit Bequemlichkeit zu tun. „Ich hab’ jetzt – das kommt, glaube ich, mit dem Alter – auch einen Korb am Radl. Das find ich wahnsinnig praktisch beim Einkaufen. Man schmeißt einfach alles rein und fährt, ohne irgendwas schleppen zu müssen, wieder nach Hause“. Nur im Winter lässt sie das Rad eher stehen. „Weil ich immer krank werde. Wobei ich mir das wohl auch nur einbilde.“

Auch auf der Leinwand war Pia schon des Öfteren mit dem Rad zu sehen. Das Radfahren an sich, also die Tätigkeit, spielt dabei jedoch nur eine untergeordnete Rolle. „Die Herausforderung beim Drehen ist ja das Timing, dass das ganz genau stimmt. Und da ist es gut, wenn man das Rad gar nicht so beachtet.“ Etwas mehr Beachtung schenken musste sie ihm jedoch bei ihrem ersten Film „Nacktschnecken“. Auf Wunsch von Regisseur Michael Glawogger sollte sie auf einem alten, fragilen Rennrad über eine Schotterstraße bergab fahren. „Irgendwann musste ich zum Michi sagen: Ich glaub, ich kann das nicht.“ Also bekam sie das Damenrad. „Und der Raimund Wallisch ist mit dem schönen Rennrad gefahren. Leider.“
Fortsetzung unter dem Foto

Dass Pia Schauspielerin geworden ist, ist eine Mischung aus Kindheitstraum und Zufall. „Ehrlich gesagt habe ich als Kind gedacht, dass jeder Mensch Schauspieler oder Schauspielerin werden will. Ich habe nicht verstanden, dass man ernsthaft auch andere Berufe auswählen könnte.“ Dennoch hat sie etwas ganz Anderes studiert. Als sie dann die Chance hatte, eine krank gewordene Kollegin am Theater im Bahnhof bei einem Kinderstück zu vertreten, musste sie nicht lange überlegen. Und ist so wieder zur Schauspielerei gekommen – und geblieben.

Mittlerweile gehört Pia Hierzegger zu den bekanntesten Schauspielerinnen Österreichs, spielte unter anderem im Kultfilm „Contact High“ oder der Wolf Haas-Verfilmung „Der Knochenmann“ mit. Oder eben in „Wilde Maus“, dem Regiedebüt von Josef Hader. Zudem schreibt sie mittlerweile auch eigene Drehbücher und Stücke. Nach wie vor ist sie auch im „Theater im Bahnhof“ in Graz engagiert.

Mit ebendiesem Theater war sie in den vergangenen Jahren auch dreimal in Nigeria. Ursprünglich um eine Dokumentation zu drehen, mittlerweile ist daraus ein Drehbuch für einen Spielfilm geworden. Dieses umzusetzen wäre ein Projekt, dass sie besonders interessieren würde. Und auch eine Rad-Beobachtung hat sie dort schon gemacht. „2012, als ich das erste Mal dort war, war nirgends ein Rad zusehen. Und beim letzten Mal, 2016, waren auf einmal die ersten Fahrräder da“, erzählt sie und ergänzt. „Radfahren setzt sich also auch in Lagos langsam durch.“

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