Cosmo-Bike unterwegs

Ruth transportiert das Universum im Lastenrad

Ruth nennt ihr Transportfahrrad Cosmo-Bike, was vermutlich am Inhalt der Box liegt. Darin hat sie nämlich den gesamten Kosmos. Die Astronomin und Wissensvermittlerin betreibt seit drei Jahren ein mobiles Planetarium. Mit Lastenrad samt Pop-Up-Planetarium ist sie quer durch Wien unterwegs.

Wie bist du auf die Idee mit dem mobilen Planetarium gekommen?

Ich habe früher in einem Science Center in Großbritannien gearbeitet und mich dort um die astronomische Wissensvermittlung für Schulklassen gekümmert. Dort gab es so ein mobiles Planetarium. Für mich war das einfach ein großartiges Ding und das ideale Vermittlungstool. Man erreicht die Leute, die nicht unbedingt in ein Museum oder Planetarium gehen, sondern man kann sich irgendwo hinstellen und alle vor Ort mithineinziehen. Als ich nach Wien zurückgekommen bin, habe ich mich erkundigt, ob’s das hier gibt. Weil das nicht der Fall war, habe ich vor drei Jahren mein eigenes kleines Business aufgezogen.

War das Planetarium in Großbritannien auch mit einem Lastenrad unterwegs?

Nein. Für mich ist aber nachhaltige Mobilität sehr wichtig. Daher hab ich anfangs kurz über ein Elektro-Auto nachgedacht. Das ist aber auch nicht die ideale Lösung, weil es trotzdem motorisierter Individualverkehr ist. Es war dann ziemlich schnell klar, dass das ein Fahrrad sein muss. Daher sind die ganze Teile so klein und mobil wie möglich. Jetzt geht alles in die Kiste von einem Bakfiets rein. Das Planetarium ist ein Zelt, das kommt in eine große Reisetasche. Dann gibt noch eine kleine Kiste für den Ventilator, der das Zelt aufbläst. Zusätzlich habe ich noch einen Rucksack mit dem Stativ für den Beamer und mit dem Fischaugenobjektiv. Für mich ist auch der Kontrast reizvoll, dass sich die Weiten des Weltall so klein und kompakt für den Fahrradtransport zusammenklappen lassen.

Ruth beim Einpacken der Taschen in ihr Bakfiets

Die ersten paar Monate bin ich ohne Motor gefahren. Das war auch cool, aber mehr als 5-6 km waren da nicht möglich, weil’s halt schon schwer ist. Nachdem ich mit einem kleinen Motor nachgerüstet hatte, war das ein Riesenunterschied. Ich habe auch hier darauf geachtet, dass es kein besonders starker Akku ist, weil es sich dabei um die energieintensivsten in der Herstellung handelt: Je mehr Kilowattstunden ein Akku hat, desto mehr Materialien und Energieverbrauch steckt drinnen. Mit meinem kleinen Akku habe ich ungefährt 30 km Reichweite.

Wie reagiert dein Umfeld auf das Planetarium im Lastenrad?

Ich werde oft gefragt, ob ich einen Parkplatz zum Ausladen brauche: „Nein, ich komme mit dem Fahrrad.“ – „Wow, wirklich. Das geht sich aus?! Was man alles mit einem Fahrrad machen kann!“ Viele beginnen dann auch ihre eigene Mobilität zu hinterfragen. Wenn man das Universum in einem Fahrrad transportieren kann, gibt’s eigentlich keine Ausreden mehr.

Für Kinder ist es schon faszinierend, dass dieses Ding, das sie aufgeblasen gesehen haben und in dem sie durch den Weltraum geflogen sind, in eine Tasche passt. Und wenn ich alles dann in mein Fahrrad einlade, fasziniert sie das noch mehr. Sie schauen mir auch beim Einpacken zu, weil sie’s fast nicht glauben können, dass sich das ausgeht und dass ich mit diesem Ding jetzt wegfahre. Die Kids geben mir auch Motivation. Wenn ich z.B. am Weg zu einer Schule in Liesing in der Früh eine Stunde mit dem Fahrrad durch die Stadt gefahren bin und dabei drei Nahtod-Erfahrungen mit verrückten Autofahrern hatte, frage ich mich schon auch kurz, warum ich mir nicht einfach ein Auto kaufen kann. Aber dann bekomme ich solches Feedback von den Kids, dann ist es das wert.

Ruth mit Planetarium bei einem Kindergeburtstag

Nutzt du das Lastenrad auch für andere Wege?

Im April bin ich während der Corona-Lockdown-Zeit umgezogen. Da es nur 15 Minuten mit dem Fahrrad waren und ich ein Monat Zeit zum Übersiedeln hatte, habe ich meinen Haushalt mit dem Lastenrad übersiedelt. Dann habe ich z.B. zwei Tische übereinander geschnallt transportiert. Oder ein Sofa, ein kleines Sofa, aber trotzdem ein Sofa. Natürlich reagieren darauf die Leute. Beim Sofa z.B. hat an der ersten Hausecke bereits einer gefragt: „Dearf i mitfohrn?“ Und das mag ich auch. Es kommen natürlich auch blöde Kommentare, aber in Wirklichkeit merkt man einfach, dass die Leute das lustig, cool und innovativ finden und dass sie sehr positiv darauf reagieren. Lustigerweise habe ich mehr Reaktionen mit den Möbeln als beim Planetarium bekommen.

War das Sofa das größte, was du bisher mit dem Lastenfahrrad transportiert hast?

Nein, einmal hab ich ein Faltboot transportiert. Das ist sogar länger als das Planetarium, aber es ist zusammenklappbar. Dennoch ist die Tasche 2m lang. Das schwerste waren wahrscheinlich zehn Säcke Kompost. Damals bin ich dann im Schritttempo gefahren. Bei Freunden mache ich das gern, wenn sie fragen: „Ginge das?“ – „Ja sicher, es geht alles.“ – „Passt das auch wirklich rein?“ Alles, was man im Alltrag transportieren muss, passt auf jeden Fall drauf.

Ist das dein erstes Lastenrad?

Ja, das Planetarium war für mich der Anstoß. Danach hab ich mir gleich gedacht, dass ich das bereits viel früher hätte machen sollen. Ich habe meines gebraucht gekauft. Und es funktioniert einwandfrei und ersetzt das Auto in der Stadt. Und es macht einen Riesenunterschied auch in der Lebensqualität. Vermutlich hat meine Entscheidung auch damit zu tun, dass eine meiner Schwestern in Amsterdam lebt und schon länger ein Lastenfahrrad hat. In Wien gibt’s jetzt schon wirklich viele Lastenfahrräder. Das war vor fünf bis zehn Jahren ganz anders. Aber klar, im Vergleich zu Amsterdam ist das nochmals was anders. Dort sieht man, was es ausmacht, wenn der Verkehr um einen herum beruhigt ist und Platz zum Radfahren ist. Dort ist es per Gesetz auch erlaubt, zu zweit am Fahrrad zu fahren, also das Gesetz sagt. Wenn man jemanden mitnehmen kann, also im wahrsten Sinne des Wortes, entscheiden sich diese Leute vielleicht eher für eine Fahrrad, wenn sie sehen, dass das lustig ist und man nicht auf den Nachtbus fahren muss. Außerdem macht es so viel Spaß mit einen Lastenfahrrad durch die Gegend zu fahren und bewundernde Blicke von Leuten zu kriegen. Ich kann’s wirklich nicht genug empfehlen, auf ein Lastenrad umzusteigen. Man muss ja nicht gleich ein Planetarium darin transportieren.

Ruth Planetarium neben ihrem Lastenrad

Wer mehr über Ruth und ihr Public Space Planetarium wissen will, findet sie auf Facebook, Twitter und Instagram. Für all jene, die jetzt auf den Geschmack eines Lastenrades gekommen sind, könnten die Grätzlräder und die Transportradförderung der Stadt Wien interessant sein.

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