Angelika eBike im Schnee

Angelika radelt mit E-Bike und Anhänger durch Wien

Über 2.000 Kilometer hat die 34-jährige Angelika auf ihren Alltagswegen seit März am E-Bike zurückgelegt. Denn seit der Corona-Pandemie nutzt die zweifache Mutter und selbstständige Physiotherapeutin ihr E-Bike nicht nur bei Ausflügen, sondern tagtäglich.

Wo nutzt du dein Fahrrad?

Ich nutze es seit einem Jahr für alle Wege in der Stadt. Also in den Kindergarten, zum Einkaufen, in meine Praxis und auch für Hausbesuche. Das ist alles nicht sehr weit auseinander, ich bin damit meistens im 2. Bezirk und in den angrenzenden Bezirken unterwegs.

Wie bist du zum Radfahren gekommen?

Ich bin am Land aufgewachsen. Da war es selbstverständlich, dass alle ein Rad haben. Als ich erwachsen war, bin ich zuerst mit meinem letzten Kinderrad weitergefahren. Als das schon klapprig war, habe ich mir als Erwachsene ein Fahrrad gekauft – das war auch ein Kinderrad. Mit dem war ich nicht wirklich glücklich, weil es ein Stahlrad war und daher schwerer als viele größere Erwachsenenräder. Es wurde auch bald gestohlen. Daraufhin war ich so verärgert, dass ich zwei Jahre kein Rad hatte. Dann hat mir mein Freund vorgeschlagen, dass er mir zum Geburtstag ein Rad schenkt. Dem Verkäufer war es egal, ob mir das Fahrrad passt, er wollte es vor allem verkaufen. Und in Wirklichkeit war mir das Rad zu groß. Ein kompletter Fehlkauf: Nach einer halben Stunde Fahrt hat mir alles weh getan, obwohl der Sattel ganz unten war.

Angelika mit ihrem eBike samt Anhänger

Damit war klar, dass ich ein neues Fahrrad brauche. Auf die Empfehlung meiner Schwippschwägerin bin ich vor drei Jahren in ein Fachgeschäft mit super Beratung. Damals hatte mein Freund schon ein E-Bike und er hat vorschlagen, dass ich mir auch gleich ein e-Bike kaufen soll, damit ich auch einmal den Fahrradanhänger mit den Kinder ziehen kann. Ich habe lange überlegt, weil ein E-Bike doch eine Investition ist. Das hat sich über Monate gezogen, dazwischen wurde mein Sohn geboren. Mein E-Bike war eigentlich ein normales Rad, wo der Motor dazugebaut wurde. Im Fachgeschäft habe ich auch die passende Sattelstütze, den passenden Sattel und den passenden Lenker und Vorbau für meine kleine Körpergröße bekommen. Und jetzt bin ich wirklich glücklich damit.

Und wie hast du das e-Bike in den letzten drei Jahren genutzt?

Anfangs habe ich es nur für Ausflüge genutzt, sodass ich letzten Frühling 500 km drauf hatte, und dann kam Corona. Mein Freund hatte zwar schon ein Jahr davor gemeint, dass sich mein Arbeitsweg zum Radfahren anbieten würde, weil ich über die Prater-Hauptallee in die Praxis fahren könnte. Damals fand ich aber auch die U-Bahn praktisch. Corona war dann der Anstoss aufs Fahrrad umzusteigen. Und seitdem fahre ich jeden Tag mit dem Fahrrad und es ist so cool. Ich liebe es.

Wie sieht dein Alltag am e-Bike jetzt aus?

In der Früh hänge ich den Fahrradanhänger an und bringe die Kinder in den Kindergarten. Mittlerweile fährt die 5-Jährige auch schon selbst mit dem Fahrrad. Am Nachmittag, wenn ich sie abhole, sagt sie auch manchmal, dass sie nicht mehr selbst fahren mag, wenn sie müde ist. Dann montiere ich ihr Kinderrad hinten dran. Wir sind dann also eine riesige Karawane: vorne das Rad, der Anhänger mit den Kindern und dann hängt hinten noch manchmal ein Kinderfahrrad dran.

Auch beruflich nutze ich das Fahrrad für meine Hausbesuche als Physiotherapeutin. Da habe ich ein weißes Gewand zum Umziehen dabei, das ist unter anderem in meiner Fahrradtasche drin. Dabei ist mir egal, wie schwer sie ist, weil die Tasche am Fahrrad montiert ist und ich den Motor habe.

Angelikas Fahrradanhänger

Der Fahrradanhänger bleibt tagsüber beim Kindergarten

Wie viel fährst du pro Tag?

Es sind generell kurze Distanzen, die ich täglich zurücklege. Auch die Hausbesuche sind meist nur in den angrenzenden Bezirken. Mich hat es dann voll überrascht, als ich vor ein paar Wochen 2.000 km in weniger als einem Jahr zurückgelegt habe – mit vielen ganz kurzen Distanzen. Es gibt sicher viele Leute, die mehr Kilometer fahren. Aber für mich war das schon ein Erfolgsgefühl, die 2.000er Marke geknackt habe.

Wenn ich zu einem Hausbesuch komme, sind die Leute oft völlig überrascht, dass ich mit dem Fahrrad komme. Vor allem, wenn das Wetter nicht so schön ist, sind die total überrascht. Zum Beispiel im September hat es mich voll abgewaschelt, sodass ich in meinen Schuhen geschwommen bin. Was habe ich gemacht? Ich bin am selben Tag ins Geschäft gegangen und habe mir Gummistiefel gekauft. Ich denke, dass es nicht das falsche Wetter gibt, sondern nur die falsche Ausrüstung.

Wenn du Rad fahren mit anderen Verkehrsmitteln vergleichst, wie unterscheidet sich das für dich? Wo sind die Vorteile und Nachteile beim Radfahren für dich?

Der Vorteil ist, dass ich mich nicht nach Öffi-Routen richten muss und oft schneller bin. Im Vergleich zum Auto kann ich mich am Fahrrad mehr bewegen und fühle mich beweglicher und freier. Auch die frische Luft ist total angenehm. Und ich muss keinen Parkplatz suchen. Ich hab ja doch ein bisschen Gepäck mit, das hängt sich in den Öffis schon an. Ich hatte zwar immer gesagt, dass das eh nicht so schwer ist, aber jetzt merke ich, dass das doch sehr angenehm ist, dass es einfach hinten am Fahrrad drauf ist.

Wenn’s um Nachteile geht, bin ich sicherlich von der Facebook-Gruppe Radfahren in Wien beeinflusst, weil ich dadurch mehr wahrnehme und es objektiv viele Gefahrenstellen oder auch Autofahrer, die mich übersehen, gibt. Es ist aber schwer mich zu übersehen: Ich trage einen knallroten Mantel, habe um die Jahreszeit auch tagsüber mein Fahrradlicht an und nutze seit kurzem zwei Reflektorbänder für meine Unterarme. Und ich denke schon, dass es mehr Infrastruktur für Radfahrende braucht. Bei unserer Wohnung liegt der Radweg gleich vor der Haustür. Dort traue ich mich auch meine 5-jährige Tochter fahren zu lassen. Wenn der Radweg nicht wäre, weiß ich nicht, ob ich meine Tochter täglich in Wien auf der Straße fahren lassen würde. Dieser Radweg direkt vorm Haus ist so ein Glückfall. Ich würde es jeder Familie mit Kleinkindern wünschen, dass sie diese Situation hätten. Vorher habe ich mir darüber nie Gedanken gemacht. Jetzt im Alltag fällt mir das oft auf, früher bei den Ausflügen auf die Donauinsel hat mich das nicht betroffen.

Gibt’s einen Ausrüstungsgegenstand zum Radfahren, den du nie wieder hergeben würdest und warum?

Wahrscheinlich meine Tasche, weil sie so praktisch ist und ich sie einfach vom Gepäckträger rauf- und runternehmen kann. Sonst natürlich auch der Motor von meinem e-Bike 😉

Angelikas eBike

Kurze Pause am winterlichen Arbeitsweg

Hast du eine Lieblingsstrecke in Wien?

Es ist schon toll, wenn ich durch den Prater fahren kann. Wenn es sich beruflich ergibt, dass ich durch muss, das ist extrem schön in der Natur. Auch wenn da viele Leute sind, da muss ich natürlich aufpassen, aber das ist entspanntes Radfahren. Das ist lässig.

Stell dir vor, du müsstest mit Radfahren aufhören – aus welchem Grund auch immer: Was würdest du vermissen?

Die Flexibilität! Mit dem Rad ist man freier, flexibler und ungebundener als mit den Öffis. Aber ich möchte nicht aufhören mit dem Radfahren, ich liebe es. Es ist so cool.

1 Kommentar

karin metzenbauer sagte am 18.03.2021, 08:56:
In der Nordwestbahnstraße wurde die Busstation Griegsstr. der Buslinie 5a eingerichtet. Die Fahrgäste warten am schmalen Grünstreifen und müssen direkt auf dem Radweg ein- und aussteigen. Ein stark befahrener Radweg wird somit zur Gefahrenzone. Zumal dieser an schönen Tagen als eine Hauptroute Richtung Donau von vielen Radlern benützt wird. Das kann so nicht bleiben. Zudem ist die Ampelschaltung Dresdnerstr./Stromstr. zu beanstanden. Die Grünphase ist viel zu kurz, die Rotphase dafür gefühlte 5 Minuten. Für etwas eingeschränkte Fußgänger eine Herausforderung, in dieser kurzen Grünschaltung die Dresdnerstr. zu überqueren.
Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.